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Eine zweite Katze zieht bei dir ein? Damit es mit deiner schon vorhandenen Samtpfote klappt, solltest du einige Dinge bei der Zusammenführung beachten Mit der richtigen Technik werden aus Fremden hoffentlich bald Freunde.

Eine zweite Katze zieht ein

Manchmal passiert es überraschend, manchmal hat man lange gesucht. Wichtig ist: Wenn es soweit ist, solltest du nichts überstürzen. Denn deine andere Mieze weiß ja noch nichts von ihrem Glück.

Worüber du dich freust, kann für deine Katze sehr erschreckend sein. Schließlich war sie bisher immer Einzelprinzessin. Und jetzt muss sie ihr Revier mit einer fremden Katze teilen – die Begeisterung wird sich also erstmal in Grenzen halten.

Eine zweite Katze zieht ein: Ein kleines Gedankenspiel

Um dich besser in deine Samtpfote hineinzuversetzen und ihre Reaktionen auf den Neuankömmling zu verstehen, kommt hier ein kleines Gedankenspiel:

Stell dir vor, eine fremde Person kommt einfach so zur Tür herein, sagt, sie wohne jetzt auch hier, geht an den Kühlschrank, nimmt sich ohne zu fragen etwas zu essen und fläzt sich dann im Wohnzimmer vor den Fernseher – direkt in deinen Lieblingssessel.

Wie fühlst du dich?

A. Du freust dich: Super, endlich jemand zum Reden und etwas Unternehmen. Das wird toll!

B. Du bist unsicher: Du kennst die Person nicht und weißt nicht, wie du dich jetzt verhalten sollst. Du sagst daher erstmal nichts und beobachtest nur.

C. Du hast Angst: Jemand Fremdes ist in dein sicheres Heim eingedrungen! Du fliehst in dein Schlafzimmer und traust dich nicht mehr heraus.

D. Du bist sauer: Was fällt dieser Person ein? Du gehst hin und forderst in scharfem Ton eine Erklärung.

E. Du wirst richtig wütend: Du baust dich vor der fremden Person auf, schreist sie an, drohst und wenn sie nicht hört, wirst du sogar handgreiflich. Hauptsache diese Person verschwindet wieder von hier! Das ist dein Zuhause!

Na, was hast du spontan gedacht? Ich denke, Antwort A hast du eher nicht genommen – außer du lebst in einer WG und bist es gewohnt, dass immer mal wieder fremde Menschen auftauchen.

Die Antworten B bis E zeigen die normalen Reaktionen auf einen Eindringling – und jetzt weißt du auch, wie sich deine Katze fühlt, wenn sie ihr Revier plötzlich mit einer fremden Katze teilen soll.

Eine zweite Katze zieht ein: So klappt es mit den Miezen

Damit sich alte und neue Katze verstehen und langfristig zusammen leben können, solltest du einige wichtige Schritte beachten.

Vorbereitung

Die neue Katze kommt für den Anfang in ein eigenes, separates Zimmer, in dem sie alles vorfindet, was sie braucht: Futter, Wasser, Katzenklo, Kratzbaum und Ruheplätze. Die beiden Katzen sollen sich noch nicht sehen.

Besorge eine Gittertür (Fliegengittertür, Babygitter mit Katzennetz gesichert, selbstgebauter Holzrahmen mit Katzennetz eingespannt). Wichtig ist, dass die Katzen nicht an dieser Tür vorbeikommen, du aber gut ins Zimmer hinein und hinaus kannst, ohne, dass eine Katze entwischt oder mit hinein huscht.

In der Zwischenzeit übst du mit beiden Katzen etwas ein, was ihnen Spaß macht und die Emotionen positiv beeinflusst. Denn wenn sich die beiden Katzen das erste Mal sehen, sollte gleich etwas für beide Katzen sehr Schönes passieren, damit sie gar nicht erst auf die Idee kommen Angst zu haben oder wütend zu werden. Hierfür eignet sich das Clickertraining. Wenn beide das Clickern beherrschen und die Gittertür angebracht ist, kann es losgehen.

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Erste Begegnung:

Die Katzen sehen sich nur unter deiner Aufsicht an der Gittertür. Dort passiert dann immer etwas richtig Tolles: Am besten, wie schon gesagt, Clickertraining mit richtig guten Leckerchen.

Einfacher ist es, wenn sich bei jeder Katze jemand zum Clickern und Belohnen befindet, doch es geht natürlich auch alleine.

Hier die wichtigsten Tipps zum Training an der Gittertür: 

  • Stelle eine große Pappe bereit, die du zur Not schnell vor die Tür schieben kannst, um den Blickkontakt zu unterbrechen.
  • Lege alles bereit, was du für das Clickertraining benötigst: Clicker, Leckerlis, Targetstab.
  • Jetzt platziere die Katzen an der Gittertür: Am besten erst einmal beide so weit weg von der Tür wie möglich.
  • Ist eine Katze sehr forsch, sollte diese schon an der Gittertür platziert werden, damit sie nicht darauf zuläuft und die andere Katze erschreckt.
  • Ist eine Katze besonders ängstlich, kann ein Kissen auf dem Boden als Sichtschutz dienen. Oder du setzt diese Katze etwas höher auf einen Karton oder Hocker.

Sind die Katzen platziert und alle bereit, öffnest du den Sichtschutz. Jetzt sehen sich die Katzen durch das Gitter zum ersten Mal.

Click für Blick

Sobald sich die Katzen sehen, wird jede einzeln geclickt und belohnt. Dabei achtet jeder auf seine Katze.

Wichtig ist, dass wirklich jeder Blick auf die andere Katze belohnt wird. Und natürlich auch Deeskalationszeichen wie: Blinzeln, Gähnen, Hinlegen, Hinsetzen, Weggucken. 

Auch andere Übungen, wie „Nase dran“ oder „High Fife“ kannst du abfragen, wenn deine Katzen das schon können.

Bleiben beide Katzen ruhig, wenn sie sich sehen, clicke und belohne zwei bis drei Mal. Dann schließt du die Tür, solange beide noch ruhig und positiv gestimmt sind.

Falls eine von beiden faucht, sei nicht beunruhigt. Das ist eine normale defensive Reaktion und bedeutet „Bleib weg, ich kenn dich nicht.” Versucht jedoch eine die andere anzugreifen oder zieht sich ängstlich zurück, schließe sofort die Tür und warten noch einige Tage, bevor du es erneut probierst.

 

Eine zweite Katze zieht ein: Die Annäherung

Verlaufen die ersten Begegnungen ruhig, kannst du das Clickertraining zeitlich immer weiter ausdehnen. Sind die Katzen auch über längere Zeit entspannt, kannst du die Plätze weiter nach vorne zur Gittertür schieben. Achtung: Jetzt wieder mit kurzen Sitzungen starten und langsam die Zeit ausdehnen.

Wichtig: Gehe immer nur einen Schritt weiter, wenn beide Katzen entspannt und ruhig sind.

Befinden sich beide Katzen an der Gittertür und begegnen sich auch dort ruhig und neugierig, tauschen vielleicht sogar schon Nasenbegrüßung aus, kannst du den nächsten Schritt angehen.

Tipp: Gerade in dieser Phase ist Geduld das oberste Gebot! Oft wollen wir Menschen zu viel und öffnen die Gittertür zu früh. Bei einer Zusammenführung entscheiden jedoch die Katzen, wann es weiter geht. Wenn du zwei gut sozialisierte, neugierige und aufgeschlossene Katzen hast, wird es schneller gehen. Wenn du auf einer Seite eine sehr ängstliche Katze oder sogar einen potentiellen Einzelgänger hast, kann es länger dauern.

 

Eine zweite Katze zieht ein: Die Gittertür geht auf

Erst wenn keine Katze mehr Anzeichen von Aggression oder Furcht beim Anblick der anderen zeigt, geht die Gittertür auf:

  • Bleibe ruhig und clicke und belohne wie üblich.
  • Halte diese erste Begegnung ohne Barriere kurz.
  • Wenn eine Katze auf die andere zuläuft, versuche, sie duch clickern abzulenken.
  • Wenn die Katzen sich ignorieren oder sogar freundlich interagieren, clicke und belohne großzügig.
  • Trenne die beiden Katzen, solange beide noch gut drauf sind.

Die nächsten Schritte sind genauso wie mit Gittertür: Erste kurze Begegnungen, die immer länger ausgedehnt werden, dann rücken die Katzen näher zusammen

Wichtig: Gehen die beiden Katzen doch aufeinander los, sobald die Tür offen ist, trenne die beiden, am besten mit einer Pappe, die du zwischen die beiden Streithähne schiebst. Schließe die Tür wieder, so dass kein Sichtkontakt mehr besteht. Beruhige beide Katzen. Dann gehe am nächsten Tag wieder einen Schritt zurück und übe wieder an der Gittertür, bevor du erneut die Tür öffnest.

 

Wie geht es weiter?

Wenn sich die beiden Katzen ohne größere Aggressionen begegnen, kannst du sie unter Beobachtung länger zusammenlassen. Nachts oder wenn du nicht da bist, werden die Katzen noch getrennt.

Auch wenn die Katzen schon gemeinsam durch die Wohnung laufen, ist ein gelegentliches Fauchen oder Pfote heben normal. Pass auf, dass es nicht ausartet. Du belohne jede positive Interaktion immer wieder mit Click und Leckerli oder viel Lob.

Nach und nach werden die zwei Miezen sich immer mehr annähern und hoffentlich richtig gute Freunde werden. 

 

Noch keine passende Zweitkatze?

Wenn du dich noch nach einer passenden Partnerkatze umschaust, lies dazu am besten meinen Beitrag „Katzenpartner: Wer passt zu wem?“ 

 

Eine zweite Katze zieht ein: Ich unterstütze dich gerne

Du möchtest Unterstützung bei der Zusammenführung? Dann melde dich einfach über mein Kontaktformular oder direkt per E-Mail: info@thinkcat.de

Zeichen für einen harmonischen Katzenhaushalt

  • Gemeinsames liegen
  • Gegenseitiges Putzen
  • Gemeinsames Spiel, bei dem jeder mal den Anfang macht
  • Jede Katze kann sich frei entfalten, niemand zieht sich zurück
  • Die Katzen verbringen viel Zeit gemeinsam
  • Fauchen oder leichte Pfotenhieb dürfen sein, aber nicht zum Dauerzustand werden